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  • Bettina Wiegel

Familiengeschichten in Zeiten des Coronavirus

Ein neues Kapitel öffnet sich


Wir schreiben das Jahr 2020 – eine Zahl, die man sich gut merken kann – und die wir alle vermutlich nie mehr vergessen werden! Das Jahr, an dem alles begann – oder verschwand? Oder sich veränderte? Doch gab es solche Jahre früher nicht auch schon: wo die Lebensgewohnheiten der Menschen auf den Kopf gestellt wurden und sie sich völlig neu arrangieren mussten?


Die Geschichte der Menschheit umfasst viele Epochen – und immer folgte auf die eine, die verging, eine neue! Doch woher wissen wir, was sich damals jeweils zutrug? Geschichtsschreiber haben zu jeder Zeit alles festgehalten, was ihnen aus ihrer persönlichen oder historisch bedeutsamen Perspektive wichtig erschien. Aufgrund ihrer Arbeit können wir den Verlauf nachvollziehen. Ergänzende Zeichnungen, Dokumentationen und Fotos vermitteln ein vollständigeres Bild.

Große, weltumspannende Ereignisse wirken sich immer auf den Alltag der Menschen aus. Die klassischen Beispiele sind Krieg, Vertreibung und Flucht, Naturkatastrophen, Terrorismus und auch Pandemien wie die Spanische Grippe oder das Coronavirus.

In den Lebensberichten tauchen diese Ereignisse unwiderruflich auf. Sofern vorhanden, belegen alte Fotografien und Schriftstücke die tiefgreifenden, oft schmerzlichen Erfahrungen.

Wer zuhause eine solche Foto- und Dokumentensammlung hat, kennt die Fragen, die bei der Betrachtung auftauchen: Wie sind meine Eltern oder Großeltern mit den Problemen der damaligen Zeit umgegangen? Wie wirkt sich das heute auf mein persönliches Leben und das meiner Familie aus?

Die Sammlung kann zu einer Lebensbiografie zusammengefügt werden: Erzählungen der Großeltern aus der Kriegs- oder Nachkriegszeit mit den harten Entbehrungen, die Erinnerungen der jüngeren Generation an die Zeit des Wirtschaftswunders und die damit verbundenen Annehmlichkeiten in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrtausends, die rasanten Entwicklungen der vergangenen zwei Dekaden bis ins Jahr 2020.

Welche Fotos hast du in letzter Zeit gemacht? Hast du die leeren Straßen deines Wohnorts fotografiert, die Rehrudel, die plötzlich tagsüber aus dem Wald heraustreten? Deine Familie beim gemeinsamen Spiel festgehalten? Die Kinder beim Online-Unterricht aufgenommen oder die Menschenschlangen vor den Supermärkten, mit Mundschutz und auf Abstand mit der Linse eingefangen? Was ist mit den geschlossenen Geschäften und Restaurants, die alle einen Zettel an der Türe hängen haben: Wegen Corona geschlossen, wir liefern auch vor Ihre Haustüre?

Sammelst du Zeitungsausschnitte mit Daten und Fakten, die dir momentan besonders wichtig erscheinen und die Entwicklungen gut widerspiegeln? Speicherst du ausgewählte Postings der Kreativszene irgendwo ab, wo du sie in ein paar Jahren nochmals ansehen kannst?

Warum solltest du das alles tun?

Nun, genau DAS ist es, was du deinen Kindern später einmal wirst beschreiben wollen – wie es war, das Jahr 2020. Mit all seinen unerwarteten, einfallsreichen und auch beängstigenden Auswüchsen. Vielleicht kommt dein Kind oder dein Enkel dieses Jahr zur Welt! Wie anders hat diese Erde vor seiner Geburt ausgesehen und wie anders hat sich die Gesellschaft verhalten!


Es gibt unendliche viele Möglichkeiten, selbst zum Geschichtsschreiber zu werden.

Unweigerlich wird eine neue Epoche eingeläutet werden: die Post-Corona-Zeit. Und so, wie du vielleicht noch ein Foto von dir hast mit einem Telefonhörer eines analogen Schnur-Telefons in der Hand, und dein Kind es nicht fassen kann, das es so etwas einmal gab, so werden auch alle anderen alten Aufnahmen, auf denen du in Umständen zu sehen bist, die es vielleicht so einmal nicht mehr geben wird, plötzlich zum Zeugnis einer vergangenen Zeit: ohne Mundschutz, in einem überfüllten Café, im Fussballstadion Seite an Seite mit anderen Fans, im Rockkonzert oder am Flughafen, unterwegs zu einer geschäftlichen Besprechung im Fernen Osten.

Warum nicht in diesen Tagen die Zeit nehmen und alte Fotoalben anschauen? Vielleicht sogar die noch ältere Kiste mit den bunt zusammengeworfenen Fotos der Großeltern vom Anfang des letzten Jahrhunderts? Womöglich liegen Briefe und Nachweise aus der Kriegszeit vor. Lass deine Gedanken wandern: wie lebte deine Mutter früher? Vielleicht hat sie ihr Gemüse selbst gezogen, an Weihnachten den Baumschmuck selbst gebastelt und deine Windeln noch ausgekocht? Und du? Siehst du dich als Kind spielen? Draußen? Mit nichts als einem Ball und ein paar alten Rollschuhen? Mit Kleidern, die du von den älteren Kindern der Verwandtschaft geerbt hast? Oder gibt es ein Foto von dir aus dem Berufsleben: den Stenoblock vor dir, von dicken Rauchwolken umgeben, die der Chef genüsslich ausbläst, die Zigarette in der Hand und Aktenberge auf dem Schreibtisch?

Wir schauen und staunen – und wir erkennen: die Zeiten ändern sich! Unsere Kinder aber möchten gerne verstehen: warum war das damals so? Wie ist es dir damit ergangen? Hast du etwas vermisst? Was war schön? Was hat dich traurig gemacht?

Und vielleicht fängst du an zu erzählen…

Diese unfassbaren Wochen, die wir gerade durchleben – sie werden eines Tages ein wichtiger Bestandteil unserer Biografie und der unserer Kinder sein. Deshalb lohnt es sich, aufzuschreiben, welche Gedanken uns durch den Kopf gehen, was wir glauben, dass sich verändert – wie wir diese Veränderungen wahrnehmen.

Fotos untermauern unsere Eindrücke und sind bleibende Zeugnisse.

Wenn du Lust darauf verspürst, die Vergangenheit und die Gegenwart zu verbinden, dann fertige dein eigenes biografisches Fotobuch an, das die Geschichte deiner Familie mit Bildern und Texten erzählt! Deine Kinder werden dir eines Tages dankbar dafür sein.








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