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  • Bettina Wiegel

Erinnerungsperlen 1

Erinnerungsperlen sind die Augenblicke im Leben, die wir nie vergessen.


Der erste Schultag, ein Sonnenuntergang am Meer, der Abschlussball, Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen, schöne Kindheitserinnerungen oder die Erfahrungen als Eltern und Großeltern. So gerne möchte man das alles schriftlich festhalten, aber wie? Nur wenige sind davon überzeugt, dass sie schreiben können, doch autobiografisches Schreiben ist nicht schwer, man muss nur anfangen!


Ich möchte meine Erinnerungsperlen mit Ihnen teilen. So, wie ich sie aufgeschrieben habe - ohne den Anspruch auf literarischen Wert. Damit möchte ich Sie anregen, es mir gleich zu tun! Schreiben Sie einfach los - es macht so viel Spaß!




In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte!


Franz Kafka fasst es in Worte, was mich von Kindheit an beschäftigt hat. Ich liebe den Wald als Gesamtkunstwerk. Die Bäume sind mächtig und ihr Rauschen im Wind ist wie Musik in meinen Ohren. Die Waldluft beflügelt mich und setzt meine Seele frei.


Als Kind war ich viel im Wald unterwegs, hatte keine Angst. Der Großvater nahm seine Enkelschar oft in das kleine Waldstück mit, das er bewirtschaftete. Wir halfen beim Holzfällen, bauten Hütten aus Ästen und Moos, fischten Kaulquappen und Lurche aus dem nahe gelegenen Baggersee und suchten Pilze und Früchte.


Meine liebste Beschäftigung war das Sammeln von großen, schalenähnlichen Rindenstücken, die mit Moos gefüllt wurden. Darauf setzte ich alles, was der Wald sonst noch hergab: Zapfen, Zweige, Beeren, Blüten oder besondere Steine. So entstanden dekorative Arrangements, die mein Zimmer anschließend schmückten.


Vor allem der herbstliche Wald hatte es mir angetan. Schwere Düfte des feuchten Bodens, Holunder und Ginster, goldenes Sonnenlicht in den Baumwipfeln, Nüsse am Wegesrand und herunter schwebendes Laub, das mich an eines von Rilkes Herbstgedichten erinnerte, Seither rezitiere ich es jedes Jahr:


Die Blätter fallen, fallen wie von weit

als welkten in den Himmeln ferne Gärten


Sie fallen mit verneinender Gebärde

und in der Nacht, da fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit

Wir alle fallen, diese Hand da fällt

und sieh dir andere an, es ist in allen

doch da ist Einer, der dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält!


Aber auch der Winterwald hatte seine besonderen Reize. Schneeverhangenen Zweige packten alles in Watte, das jedes geheimnisvolle Knacken umso stärker hervortreten ließ.


Im Wald konnte ich verschnaufen, die Schöpfung spüren, fühlte mich verbunden mit der Natur. Im Dickicht stöberte ich nach Fuchshöhlen, die ich durch den sichtbar davor liegenden "Fressplatz" ausmachen konnte. Im Frühjahr empfing mich das schönste Vogelkonzert und Waldlichtungen regten meine Fantasie an: dort wollte ich meine Hütte bauen und mich um all die Tiere kümmern, die im Wald leben. Försterin wollte ich werden, sah mich im Lodenmantel mit Hut und Gummistiefeln das Gelände durchstreifen.


Seit damals wollte ich ein Fernglas besitzen, mit dem ich die Tiere hätte beobachten können. Mit bloßem Auge habe ich nur hin und wieder ein Reh oder einen Fuchs gesehen, aber ich wusste, dass da auch die Dachse sind, dass Eulen in den Ästen schlafen, Eichhörnchen, Würmer und Käfer den Wald bevölkern und noch viele andere Waldbewohner, die ich im Schulfach Heimatkunde und später im Biologieunterricht kennenlernte.


Noch heute ziehe ich Kraft aus dem Wald, komme zur Ruhe, spüre der Ewigkeit ein wenig nach. Vielleicht waren Jäger unter meinen Vorfahren, vielleicht ist meine Biografie geprägt von Pilzsammlern oder einer Kräuterfrau, die im Wald ihr Häuschen stehen hatte. Irgendwo steckt da bestimmt ein Körnchen Wahrheit. Ich jedenfalls glaube daran!






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